Julius Wolff

Wegewart

Es wartet ein bleiches Jungfräulein
den Tag und die dunkle Nacht allein
auf ihren Herzliebsten am Wege,
wartet am Wege, Wegewart!

Sie spricht: und wenn ich hier Wurzeln schlag'
und warten soll bis zum jüngsten Tag,
ich warte auf ihn am Wege,
warte am Wege, Wegewart!

Vergessen hat sie der wilde Knab',
und wo sie gewartet, da fand sie ihr Grab,
ein Blümelein spriesset am Wege,
spriesset am Wege, Wegewart!

Der Sommer kommt und der Sommer geht,
der Herbstwind über die Haide geht,
das Blümlein wartet am Wege,
wartet am Wege, Wegewart!

(eingesandt von Monika Spatz [strietwald@t-online.de]


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